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Unter dem Schutzmantel Mariens

Die Bemühungen einer Gruppe zur Neubelebung der bulgarischen Orthodoxie

Bericht und Fotos von Sean Sprague

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In den 1980er Jahren, während der letzten Phase der kommunistischen Herrschaft in Bulgarien, entdeckte Plamen Sinov die Religion. “Ich wuchs mit einer neutralen Haltung der Religion gegenüber auf”, erinnert er sich. “Meine Eltern waren Kommunisten und ich erinnere mich nur an ein paar Rituale. Religion war eher etwas für Beerdigungen.”

Doch Glasnost, Michail Gorbatschows Politik der Öffnung in der Sowjetunion, zerstörte die Antipathie der Sowjetwelt gegen die Religion, und Jugendliche wie Planem Sinov machten sich dies zunutze.

Im Jahre 1991 hatten er und 20 andere junge Bulgaren 20 Baptisten aus den Vereinigten Staaten zu Gast, als sie im Rahmen eines kulturellen Austauschprogramms ein Haus in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, mit ihnen teilten. Nachdem die Amerikaner wieder zurückgeflogen waren, begannen die Bulgaren mit einer Bibelstudiengruppe. Sinov merkte bald, dass er seine geistliche Heimat nicht bei den Baptisten, sondern bei der traditionellen Glaubensgemeinschaft dieser Nation auf dem Balkan finden würde.

Sinov wurde als orthodoxer Christ getauft und schloss sich einer Kirchengemeinde in Sofia an, die dem Schutz oder Pokrov der Mutter Gottes geweiht war. Als er seine Ausbildung in Baltimore fortsetzte, schloss er sich dort einer orthodoxen Kirchengemeinde an, kehrte aber bald nach Bulgarien zurück, wo er eine Anstellung im Rahmen des Bulgarienprogramms der Stiftung Soros annahm.

Seine Leidenschaft aber blieb die Bulgarische Orthodoxe Kirche. Seit fast 50 Jahren aus dem öffentlichen Leben hinausgedrängt, benötigte die Kirche eine gewisse Leidenschaft, sagt Sinov. Sie war in einer “jämmerlichen Verfassung”.

Um dabei zu helfen, die Bulgarische Orthodoxe Kirche wieder im öffentlichen Leben präsent zu machen, gründeten Sinov und fünf andere junge Bulgaren im Jahre 1994 die Pokrov-Stiftung.

Ihre Gründer äußern sich offen über die Rolle der Kirche nach dem Fall der kommunistischen Regierung Bulgariens: “Religion war ein unbekanntes Feld. Die Kirche war ein eigenartiger Ort, der keine besondere Beziehung zum Leben der meisten Leute zu haben schien. Über Gott dachte eigentlich nur eine begrenzte Anzahl älterer Frauen nach.”

Im Laufe der vergangenen 12 Jahre hat die Pokrov-Stiftung eine ganze Menge Projekte gestartet - Hilfsprojekte, Bildungsinitiativen und Werbekampagnen - die viel dazu beigetragen haben, der orthodoxen Kirche ihre Rolle im bulgarischen öffentlichen Leben wiederzugeben. Viele werden von Sinovs geistlicher Heimat aus, der Kirche des Pokrov, geleitet.

Im Kellergeschoss der Kirche betreibt die Stiftung ein Gemeindezentrum, das sich jedes Jahr um etwa 4000 Menschen kümmert. Hier werden den Bedürftigen Nahrungsmittel, Kleidung, Seelsorge, finanzielle Unterstützung und soziale Hilfeleistungen angeboten. Wenn es der Stiftung an den nötigen Mitteln fehlt, um jemandem zu helfen, dann verweist sie ihn oder sie an eine andere regierungsunabhängige Organisation, die helfen kann.

“Wir haben täglich geöffnet von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends”, sagt Maria Spasova, die Leiterin des Gemeindezentrums. “Unser Gemeindezentrum ist das erste im ganzen Land, und die Idee hat sich bereits in etwa zehn andere Kirchengemeinden weiterverbreitet.”



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Tags: Communism/Communist Bulgarian Orthodox Church