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Bereit für die Zukunft

Von Paul Wachter

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Am Februar 2007 trafen sich geladene Gäste mit einigen Priestern und Seminaristen an der Äthiopischen Orthodoxen Theologischen Hochschule zur Heiligen Dreifaltigkeit in Addis Abeba.

Abune Timotheos, der Rektor der Hochschule, legte den Grundstein für das, was eine große, moderne Einrichtung zu werden verspricht. Sie soll die verlassenen und in vielen Fällen aus dem Augenblick heraus entstandenen Gebäude, die jetzt den kleinen Campus bilden, ersetzen. In der Tat wird der Neubau, so wie er im ausgestellten Modell zu sehen ist, sich nicht nur von den derzeitigen alten Bauten aus den 1950er Jahren unterscheiden, sondern auch von jedem anderen Gebäude in der Gegend von Arat Kilo.

„Dieses Bauwerk ist für alle Orthodoxen und für alle Christen da“, sagte Abune Timotheos unter begeisterndem Applaus. Später, wieder in seinem Büro zurück, war die Begeisterung des Erzbischofs immer noch ungebrochen, obwohl er zugeben musste: „Wir haben noch keinen einzigen Cent für dieses Gebäude.“

Die Zuversicht von Abune Timotheos rührt von seiner langen Erfahrung als ein Führer in der Äthiopischen Orthodoxen Kirche her, der etwa die Hälfte der 77 Millionen Einwohner des Landes angehören. Die Kirche hat sich von ihrer Unterdrückung durch die kommunistische Regierung (1974-1991) erholt und stellt sich jetzt einer Modernisierung, wie Abune Timotheos sagte.

Abune Timotheos wurde als Habtselassie Tesfa im Jahre 1938 in Tegre, einer Provinz nörd-lich von Addis Abeba, geboren. Im Alter von zwölf Jahren verließ er das Elternhaus, um seine religiösen Studien in der nordäthiopischen Stadt Gondar, der einstigen Landeshauptstadt, aufzunehmen.

„In jener Zeit gab es keine modernen Schulen in der Gegend, außer einer privaten protestantischen Schule“, sagt Abune Timotheos. Seine religiöse Ausbildung erfolgte traditionell und entsprach einem Ritus, der über die Jahrhunderte überliefert worden war.

„Wir studierten Gesänge, die Bibel und Dichtung in Geez, der Liturgiesprache.“ Diese Grundausbildung, die er in mehreren Klöstern erwarb, dauerte 15 Jahre, nach denen Abune Timotheos nach Addis Abeba an die Theologische Hochschule zur Heiligen Dreieinigkeit und anschließend nach Harare ging. Im Laufe seiner Studien lernte er Amharisch, die Arbeitssprache des Landes, und konzentrierte sich auch auf religiöse Dichtung.

Seine Ausbildung nahm 1965, als er als Student an die St. Petersburger Theologische Akademie ging, eine ungewöhnliche Wende. Damals hatten sich die Russen bereits von dem durch Stalin aufgezwungenen, harten Atheismus abgewandt, wie Abune Timotheos sagte. „Die Menschen gingen immer noch zur Kirche, und es bestand großes Interesse an Religion.“



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