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OPA! Die griechische Enklave in New York City

Der Autor Vincent Gragnani und der Fotograf Cody Christopulos erfahren, wie die griechischen Immigranten im New Yorker Stadtteil Queens ihre Umgebung mit Oregano, Dill und Zitrone würzen.

Von Vincent Gragnani, Fotos von Cody Christopulos

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Offiziell ist Piräus die drittgrößte Stadt Griechenlands nach Athen und Thessaloniki. Doch das sollte man nichtgriechischstämmigen Amerikanern in der Gegend von New York erzählen. Für sie ist die „dritte Stadt Griechenlands“ in Wirklichkeit Astoria, ein Viertel am nordwestlichen Rand des Stadtbezirkes Queens.

Astoria, die einstige Heimat des Sängers Tony Bennett, des Bühnenstars Ethel Merman und des Fernsehstars Archie Bunker rühmte sich in ihrer Blüte als griechischsprachige Enklave in den 1970er Jahren einer geschätzten Einwohnerzahl von 300.000 griechischstämmigen Amerikanern – diese Zahl ist höher als diejenige der Griechen, die in Piräus leben.

Der ökonomische Fortschritt, Eheschließungen, das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, der Tod und in einem geringeren Maße auch die Assimilierung haben zum Rückgang der Anzahl der griechisch-stämmigen Amerikaner in Astoria beigetragen. Etwa 40.000 griechischstämmige Amerikaner verbleiben in diesem traditionellen Arbeiterviertel mit Reihenhäusern und Wohnblöcken. Doch obwohl junge Erwachsene der städtischen oberen Mittelschicht – die vor den eskalierenden Wohnungskosten in Manhattan fliehen – und andere Einwanderergruppen sie ersetzen, behält Astoria seine besondere griechische Art wegen seines Reichtums an griechischen Restaurants und Cafés, Metzgern und Bäckern, Kirchen und Clubs.

„Wir haben dem Viertel eine andere Färbung gegeben“, meinte Spiro Svolakos (53), der vor fast 30 Jahren nach Astoria kam. „Wir haben es zu einer Restaurantstadt gemacht.“

Niederländische und deutsche Einwanderer siedelten sich im frühen 17. Jahrhundert zunächst im am weitesten nordwestlich gelegenen Gebiet von Long Island an. Die frühen Einwohner nannten die Siedlung Hallet’s Cove, doch im frühen 19. Jahrhundert wurde sie nach John Jacob Astor benannt, um den ersten Millionär Amerikas zu verlocken, dort zu investieren. Weitere Einwanderungswellen folgten bald. Das späte 19. Jahrhundert brachte Tschechen, Iren und Italiener, Gruppen, welche die katholischen Pfarrgemeinden, Schulen und Kulturvereine in Astoria gründeten. Anschließend stießen griechische Einwanderer zu ihnen.

In den 1920er Jahren schränkten neue Einwanderungsgesetze, die auf der Nationalität basierten, den Zustrom der südeuropäischen Einwanderer in die Vereinigten Staaten wesentlich ein. Doch nach der Verabschiedung des Einwanderungsgesetzes von 1965, das dem Nationalquotensystem ein Ende setzte, strömten Zehntausende Griechen, viele von ihnen von der Insel Zypern, nach Amerika. Die meisten ließen sich im Stadtgebiet von New York nieder, unter anderem in Astoria, das schnell zum Mittelpunkt des örtlichen griechisch-amerikanischen Lebens und damit zu einer neuen Heimat wurde.

„Sobald man in Astoria ankam, hatte man schon seinen Feinkostladen, seinen Fischmarkt und seinen Metzger“, erinnerte sich Eugene Bouzalakos, der im Jahre 1979 nach Astoria kam. „Man brauchte noch nicht einmal Englisch zu sprechen. In den Schulen sprach man Griechisch, die Leute in der Kirche sprachen Griechisch. Man vermisste Griechenland nicht, weil man hier alles hatte.“



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Tags: Orthodox Church of Greece