Print
Ein Priester mit Globaler Reichweit

Ein Priester ermöglicht Tausenden in der Heimat und im Ausland eine berufliche Ausbildung

Von Jomi Thomas und Sean Sprague

image Hier klicken für mehr Bilder

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Rolle des Dorfpriesters im südwestlichen, ländlich geprägten Bundesstaat Kerala in Indien einfach. Zusätzlich zur täglichen Bewältigung der Aufgaben in der Pfarrgemeinde, den sakramentalen Verpflichtungen, der Vorbereitung von Homilien und einem strengen, geregelten Tagesablauf des Gebets und der Selbsterforschung, nahm der Dorfpriester aktiven Anteil an den Höhen und Tiefen des Lebens seiner Gemeindemitglieder. Der Priester besuchte sie in ihren Häusern, gab ihnen in Krisenzeiten Leitlinien, tröstete sie im fortgeschrittenen Alter und bei Krankheit und schaltete sich bei nahezu jeder wichtigen Familienentscheidung mit ein.

Doch während Indien im Weltmaßstab zu einer wirtschaftlichen Supermacht aufsteigt, hat das traditionelle Landleben zu kämpfen; in Kerala verschwindet es, ebenso wie in einem Großteil des Landes, immer mehr. Heute sind nur noch weniger als die Hälfte der Keralesen von der Landwirtschaft als ihrer alleinigen Einkommensquelle abhängig. Und mit einem ununterbrochenen Strom von Menschen, die für Arbeit in die nahen und fernen Städte ziehen, ist das Land mehr und mehr entvölkert worden. Sein einstmals sprühendes Dorfleben hat sich negativ verändert, in manchen Gegenden des Bundesstaates ist es sogar fast ganz zum Erliegen gekommen.

Und während das traditionelle Kerala untergeht — und mit ihm auch die vertraute Rolle des dörflichen Gemeindepriesters -, blüht ein anderes Kerala auf.

Mit beängstigenden neuen Herausforderungen konfrontiert, stützt sich die christliche Minderheit in Kerala, die mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung des Staates (31,8 Millionen Menschen) ausmacht, auch weiterhin auf den Rat und die geistliche Leitung, die nur ein Priester bieten kann.

Gemeindemitglieder in den Städten mögen beim Gemeindepriester nicht mehr medizinischen Rat oder fachkundige Hilfe bei landwirtschaftlichen Arbeitsverfahren suchen, allerdings erwarten sie von ihm eine gewisse Berufsberatung.

Eine neue Priestergeneration, die diese neuen Aufgaben wahrnimmt und sich dennoch ihrer Möglichkeiten, die sie als unverzichtbares und positives Element im Leben der christlichen Gemeinde hat, bewusst ist, definiert die Rolle der Geistlichkeit im modernen Kerala neu.

Wenn Priester sich selbst erst einmal als „Sakramentmaschinen“ sehen, verlieren sie den eigentlichen Sinn dessen, was sie tun, aus den Augen“, sagte Vater Jose Thottakkara, ein syro-malabarischer katholischer Priester, der in einem Vorort von Ernakulam tätig ist.

Der hochgebildete 44-jährige Vater Jose verkörpert einen neuen, dynamischen Typ von Priestern. Als Gründer und Direktor von Naipunya International — einer gemeinnützigen Organisation der syro-malabarischen katholischen Erzeparchie von Ernakulam-Angamaly, die Tausenden qualifizierter junger Leute weltweit gute Arbeitsstellen vermittelt — ist der Priester auch der geistliche Vater von mehr als 100 Familien in der Sankt-Georgs-Gemeinde, einer vorstädtischen syro-malabarischen Pfarrei.



1 | 2 | 3 | 4 |