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Das Echo Jesu hallt aus den Bergen von Syrien wider

Ein christliches Dorf überlebt an einer trockenen und felsigen Stätte

Von Mitchell Prothero

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Die schläfrige syrische Kleinstadt Maaloula schien einst um Jahrzehnte hinter der quicklebendigen Großstadt Damaskus zurück zu sein, die etwa 48 Kilometer entfernt gelegen ist. Seit dem ersten Jahrhundert, als das Christentum in die unfruchtbaren Berge eindrang, die Maaloula abschirmen, haben seine Einwohner des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu und seiner als Märtyrer umgekommenen Jünger gedacht. Generationen hielten die Fastenzeiten ein und feierten die Feste, hielten an Traditionen fest, gaben abergläubische Praktiken weiter und entwickelten neue Bräuche. Und während die Welt um sie herum dem Wandel unterlag — die muslimischen Araber eroberten das christliche Syrien im Jahre 634 und machten Damaskus im Jahre 661 zu ihrer Hauptstadt -, blieben die Söhne und Töchter von Maaloula in ihrem christlichen Glauben standhaft. Dabei bewahrten sie sogar ihre charakteristische Sprache, das Aramäische, welches sie mit Jesus gemeinsam hatten.

Doch Maaloula schlummert nicht mehr vor sich hin. Seine Kirchen und Heiligtümer, die mit dem Auto weniger als 45 Minuten von der syrischen Hauptstadt entfernt sind, werden jährlich von Zehntausenden von Touristen und Pilgern besucht, welche die Kleinstadt mit ihren 2000 Einwohnern fast überfordern.

Maaloula ist gleichbedeutend mit Martyrium und Wundern. Maaloulas geweihte und weltliche architektonische Wunder, die die steilen Feldswände erklimmen, die es fest umschlossen halten, erheben sich über mehrere Stockwerke und tragen gewöhnlich einen Anstrich aus blauer Temperafarbe. Wären nicht die Weinberge und Oliven- und Aprikosenplantagen, die das Tal in der Umgebung wie mit einem Teppich bedecken, könnte ein Gelegenheitsbesucher sich fragen, wie die Stadtbevölkerung in der von der Sonne getrockneten, unfruchtbaren Landschaft jahrtausendelang überleben konnte.

Die auffälligste Besonderheit von Maaloula ist jedoch die Sprache, die seine Einwohner sprechen, nämlich denselben aramäischen Dialekt den auch Jesus von Nazareth gesprochen hat. Aramäisch, das älter ist als das Arabische — die seit mehr als einem Jahrtausend am meisten gesprochene Sprache in der Region -, entstand über 900 Jahre vor Christus und war, in seinen vielen Formen, von etwa 1200 v. Chr. bis 700 n. Chr. die Verkehrssprache des Mittleren Ostens.

Wie alles, was im Mittleren Osten heute in der Minderheit ist, ist das Aramäische nahezu ausgestorben. Nur in Maaloula und zwei nahegelegenen Dörfern — die heute muslimisch sind — hat der westaramäische Dialekt als Muttersprache und als alltägliche Umgangssprache überlebt. Experten schätzen, dass insgesamt nur 15.000 Menschen weltweit es sprechen, von denen die meisten direkt aus einer dieser syrischen Gemeinden abstammen.

Das Autobahnnetz des modernen Syriens, das verbesserte Fernmeldewesen und das im Verfall begriffene Landleben gefährden diese uralte Sprache.

Das Interesse am Erhalt des Aramäischen nimmt jedoch zu. Die Einwohner Maaloulas sind stolz darauf, dass sie Aramäisch sprechen, und die syrische Regierung hat ein neues Institut für die aramäische Sprache eingerichtet, das das Studium der Sprache fördert und einen schulmäßigen Unterricht in Aramäisch anbietet.



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