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Die Verehrung der Heiligen, insbesondere während der Kreuzzüge (1095-1272), veränderte die Stellung des Klosters radikal, das schließlich Katharina als Patronin annahm. Trotz der allmählichen Spaltung der Kirchen des Ostens und Westens nach dem Großen Schisma im Jahre 1054 besuchten jährlich Tausende katholischer und orthodoxer Pilger das Kloster — eine Praxis, die noch jahrhundertelang beibehalten wurde. Interessanterweise bewachte und unterstützte eine päpstliche Ritterschaft mehr als 400 Jahre lang Pilgerreisen zum Kloster, und auch lateinische Mönche wurden Angehörige einer wiederbelebten, internationalen Mönchsgemeinschaft.

Zu den Schätzen des Klosters zählen auch mittelalterliche Tafelbilder und andere Votivtafeln von französischen, deutschen und italienischen Spendern. Diese Kleinode bezeugen die Beliebtheit des Klosters und seiner Schutzpatronin unter Katholiken, bis Europa nach der Aufklärung einen deutlichen Rückgang der Pilgerfahrten zu verzeichnen hatte.

Die Ereignisse im 20. Jahrhundert — der Erste Weltkrieg, der bolschewistische Umsturz in Russland (wo das Kloster viele von ihm abhängige Kirchen und Klöster hatte), der Zweite Weltkrieg und der Kalte Krieg — setzten den Pilgerfahrten und Berufungen aus der orthodoxen Welt ein nahezu völliges Ende, die noch bis zu den frühen 1980er Jahren auf ein Minimum abgesunken waren.

Neubelebung und Herausforderung. Die Äbte des Katharinenklosters haben seit langem ihre Autonomie wertgeschätzt, da sie seit der frühmittelalterlichen Zeit als Bischöfe der Christengemeinde auf dem Sinai fungieren (zu der heute weniger als 1000 Menschen gehören). Einst von der Kirche von Jerusalem abhängig, deren Patriarch auch heute noch den Abt-Erzbischof des Klosters weiht, genießt die Orthodoxe Kirche des Berges Sinai das einzigartige Vorrecht, „völlig frei von allen und jedem zu sein“, schrieb der Ökumenische Patriarch. „Außerdem ist sie autokephal.“

Obwohl Freiheit ihre Privilegien mit sich bringt, führt sie auch ihre Lasten im Gepäck. Die ägyptische Regierung hat ihre Bemühungen zur Förderung der Touristenattraktionen der Halbinsel mit dem Ziel, Devisen ins Land zu bringen, verstärkt, indem sie tägliche Busverbindungen ab Kairo einrichtete und Autobahnen, Zufahrtsstraßen und öffentliche Bedürfnisanstalten baute. Die Mönche (heutzutage sind es um die 20) arbeiten, obgleich es ihnen nicht an Kontakten in der Kirche im größeren Maßstab fehlt, alleine daran, ihren Dienst vor der Kommerzialisierung und der wirtschaftlichen Ausbeutung zu bewahren.

„Das heilige Kloster des gottbetretenen Berges Sinai“, so haben die Mönche geschrieben, „ist eine rein religiöse Einrichtung, die sich dem Schutz der Pilgerstätten des Sinai widmet ... der Pflege der Geschichte des Sinai … den Werten der großen religiösen Tradition des Klosters [und] der Pflege der Entwicklung des erhabenen sittlichen Lebens durch die Übung der christlichen Tugend, die sich vom Ersten Gebot herleitet: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben …‘“



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