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der Ostkirche

Die armenisch-katholische Kirche

Text vorbei Michael J.L. La Civita, Fotos von Armineh Johannes

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Die nur von Land umgebene Republik Armenien — im Kaukasus zwischen Russland und dem Iran gelegen — bildet eine Brücke zwischen Asien und Europa. Doch mehr als die Hälfte der sechs Millionen Armenier weltweit leben heute außerhalb des Landes: Seit fast zwei Jahrtausenden hat dieses transkontinentale Volk, das historisch als europäisch zu gelten hat, sich in andere, weiter entfernte Kulturen verpflanzt. Diasporagemeinden haben sich in Nord- und Südamerika, Anatolien, Zentralasien, Europa (insbesondere in Frankreich, Russland und der Ukraine), Indien, dem Nahen Osten und Ozeanien entfaltet — ein Beweis dafür, dass Abwanderungs-bewegungen nicht immer das Ende einer Kultur und Identität nach sich ziehen.

Zahlreiche Faktoren haben zu dieser einzigartigen armenischen Geschichte beigetragen. Der vielleicht größte unter ihnen war die nahtlose Integration von Kultur, Glaube und Sprache, die durch die herausragende armenische Institution, die armenische Kirche, ihre Ausprägung erhielt.

Obwohl zuverlässige Statistiken nicht verfügbar sind, gehört die große Mehrheit der Armenier weltweit — etwa 95 Prozent — der alten Armenischen Apostolischen Kirche an. Trotz ihrer geringen Mitgliederzahl hat die Armenische Katholische Kirche, die die Riten und Traditionen der Apostolischen Kirche bewahrt, zugleich aber volle Kirchengemeinschaft mit der Kirche von Rom unterhält, erheblich zur Lebensfähigkeit der armenischen Nation beigetragen, indem sie das Mönchtum, die Wissenschaft und die soziale Fürsorgearbeit stärkte.

Erste Entwicklungen. Die christlichen Wurzeln Armeniens reichen weit zurück. Der Überlieferung zufolge evangelisierten die Apostel Bartholomäus und Thaddäus als erste das Königreich, das damals ein Pufferstaat zwischen den rivalisierenden Reichen der Perser und Römer war. Nach Jahren der Verfolgung fasste das Christentum Fuß, als Gregor, der „Erleuchter der Armenier“, im Jahre 301 König Trdat III. (latinisiert: Tiridates) taufte. Der König machte das Christentum zur Staatsreligion, wodurch Armenien zur ersten christlichen Nation wurde.

Da sie sowohl nach Osten als auch nach Westen blickte, verarbeitete die armenische Kirche die philosophischen Positionen und das theologische Vokabular der großen Bildungszentren in der antiken Welt — Alexandria und Antiochia, Athen und Rom, Konstantinopel und Seleukia, Edessa und Nisibis — und begann gerade dann mit der Entwicklung eines Alphabets für die armenische Volkssprache, als ein unabhängiger armenischer Staat sein Ende fand.

Obgleich sie Kenntnis von den großen christologischen Kontroversen hatten, welche die Weltkirche erschütterten, konnten die Armenier nicht an diesen Debatten teilnehmen, insbesondere nicht am Konzil von Chalkedon (451). Da sie die persische Unterdrückung nicht zur Kenntnis nehmen wollten, erklärten die Führer der armenischen Kirche dem persischen Kaiser gegenüber ihre bürgerliche Untertanentreue, betonten aber zugleich ihre geistliche Unterordnung unter Christus.



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