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Die natürliche Harmonie Purakkads

Ein traditionelles Fischerdorf übersteht ungeschadet den Übergang Keralas in die Moderne

Text und Fotographien vorbei Peter Lemieux

Auf den Kirchturmspitzen der Heilig-Kreuz-Kirche im Fischerdorf Purakkad sitzen Krähen, die eine kurze Pause einlegen, und haben keinen Sinn für das idyllische Panorama der Südküste Keralas.

Die weißen, sandigen Strände von Purakkad schmiegen sich an die Küste des Arabischen Meeres. Reisfelder dehnen sich ins Landesinnere aus, verbunden durch ein weitverzweigtes Netz von trüben Stauwasserkanälen. Baldachine aus Palmen, Kokos- und Betelnussbäumen verdecken die meisten Zeichen der Zivilisation. Nur das leise Grollen eines herannahenden Doppeldeckerbusses auf der Nationalstraße 47, einer zweispurigen Asphaltstraße, die etwa 650 Kilometer lang in Nord-Süd-Richtung verläuft, großteils entlang der Südküste von Kerala, weist auf die Moderne hin.

Das Leben in Purakkad ist ruhig und einfach. Weihrauch weht aus der sonnengebleichten, im frühen 15. Jahrhundert erbauten Kirche heraus, begleitet von den gedämpften Klängen eines an-dächtigen Gottesdienstes. Der Pfarrer, Pater Jose Choolparampil, leitet eine Pfarrgemeinde, die die Kirche schon vor dem Beginn der Göttlichen Li-turgie zur Eucharistischen Anbetung gekommen ist.

Direkt hinter der Kirche steht die Grundschule „Kleine Blume“, die von den Klarissinnen geleitet wird. Kinder, verkleidet als Engel, Ballerinas, Hindugötter, Piraten und Nonnen, singen, tanzen und proben ihren Auftritt für die bevorstehende 48. Schuljubiläumsfeier ein letztes Mal.

Ohne stehen zu bleiben, schleppt ein Fischer seinen Tagesfang über die Nationalstraße zu einem klapprigen Verkaufsstand. Dort legt ein Händler das Sortiment aus Makrelen, Sardellen und Schalentieren auf ein Eiswürfelbett. Wie ge-wöhnlich hofft er, dass sein nicht so gut florierendes Geschäft sich am frühen Abend erholen wird, wenn die Temperaturen abkühlen, die Liturgie vorbei ist und die Landfamilien in das Dorf kommen, um sich mit Vorräten einzudecken. Vor nicht allzu langer Zeit wurde das kleine Zentrum von Purakkad durch einen pulsierenden Fischmarkt belebt, doch dieser ist inzwischen in ein benachbartes Dorf im Norden umgezogen.

Purakkad rühmt sich einer reichen Geschichte. Im 17. Jahrhundert war Purakkad ein führender niederländischer Handelsposten. Heute jedoch, Jahrhunderte später, sind sogar die Geister aus jener Epoche alt und müde geworden und, ebenso wie der Fischmarkt, weitergezogen.

Autorikscha bzw. Taxifahrer pausieren vor einem Imbisswagen, um ihren heißen Tee zu schlürfen. Währenddessen spielen Fischer in einer nahen Holzhütte im Freien, in der Fische getrocknet werden, Karten. Derzeit sind dort jedoch keine Fische ausgelegt. Keiner von ihnen achtet irgendwie auf den lauter werdenden Klang des Busses, der das Dorf anfährt.



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Tags: Kerala Village life Urbanization