Print
Profile

Die orthodoxe Kirche von Georgien

Von Michael J.L. La Civita

image Hier klicken für mehr Bilder

Eingebettet im Kaukasusgebirge, am östlichen Ende des Schwarzen Meeres, liegt Georgien. Die Georgier haben am Rande der arabischen, persischen und syri-schen Kulturen Asiens und der griechisch-römischen Welt Europas eine einzigartige Zivilisation dadurch gestaltet, dass sie in ihre eigene viele der Glaubensüberzeugungen, Sitten, Ideen und Prinzipien dieser scheinbar grundverschiedenen Gesellschaften integrierten.

Das Christentum, das im 4. Jahrhundert Staatsreligion im ostgeorgischen Königreich Kartlien wurde, ist genauso sehr für die Schaffung und das überleben dieses besonderen Gemeinwesens verantwortlich wie die Sprache oder die Tradition.

Strategisch am Scheideweg zwischen Ost und West, Nord und Süd gelegen, hat das kleine Georgien wiederholt weit überlegene Feinde besiegt – Römer, Perser, Araber, Mon-golen, Osmanen und Russen. Doch die orthodoxe Kirche von Georgien, die oft als der Grundpfeiler der Nation bezeichnet wird, bleibt im Leben der 4,7 Millionen Einwohner des Landes, von denen 80 Prozent der Kirche angehören, eine gewaltige Kraft.

Entstehung. Byzantinische und koptische Chronisten behaupten, dass der Apostel Mat- thias als Erster das Evangelium nach Kartlien gebracht und dort um das Jahr 70 n. Chr. als Märtyrer gestorben sei. Andere christliche Quellen schreiben den Aposteln Andreas, Bartholomäus, Simon dem Zeloten und Thaddäus die Bekehrung von Christen unter den jüdischen Gemeinden Georgiens in Kart-lien und Egrisi zu, dem westgeorgischen König-reich, das bei den alten Griechen als Kolchis bekannt war – das sagenumwobene Land von Jason, Medea und dem Goldenen Vlies.

Neuere archäologische Funde – die überreste von christlichen Gräbern aus dem 2. und 3. Jahrhundert sowie von Kirchen aus dem frühen 4. Jahrhundert – lassen erkennen, dass der christliche Glaube schon früh im Land beheimatet war, insbesondere in Küstennähe. Dass das Christentum bereits im Jahr 337 Staatsreligion von Kartlien war, ist unbestritten. Armenische, byzantinische, georgische, griechi-sche und lateinische Quellen deuten allesamt darauf hin, dass Nino, eine Frau aus Kappadozien, um das Jahr 300 Jerusalem verließ, um sich in Kartlien auf die Suche nach dem Gewand, das Christus vor seiner Kreuzigung trug, zu begeben.

Die heilige „apostelgleiche“ Nino, wie die Georgier sie heute verehren, wirkte in erster Linie unter den Juden des Königreiches, die ihre ersten Jünger waren. Die etwa ein Jahrhundert nach ihrem Tode geschriebene Biographie „Das Leben der hl. Nino“ berichtet über das enge Verhältnis zwischen Nino und den Juden von Mzcheta (der Hauptstadt von Kartlien) sowie zwischen den Kirchen von Georgien und Jerusalem. Sie schildert auch ausführlich die Bekehrung von König Mirian III., die Erhebung des Christentums zur Staatsreli-gion des Königreiches Iberien und die Errichtung eines Heiligtums in Mzcheta, in der das Gewand Christi verehrt wird; sie wurde als die Swetizcho-weli-Kathedrale („Kathedrale der Leben spendenden Säule“) bekannt.

Der überlieferung zufolge erbat sich König Mirian später Bischöfe und Kleriker von seinem Verbündeten in Byzanz, Kaiser Konstantin dem Großen.



1 | 2 | 3 | 4 | 5 |


Tags: Cultural Identity Church history Georgian Orthodox Church Revival/restoration