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Hoffnung und Erneuerung am Sueskanal

Von Liam Stack, Fotos von Sean Sprague

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Klare, frische Luft hängt über dem kalten Was-ser des Sueskanals. Bei der Mündung des Kanals, nahe der Stadt Port Said, warten unförmige Güterschiffe, bis sie abgefertigt werden. Niedrige, kastenförmige Lagerhallen säumen die Ufer des Kanals. Die Spitzen der Minarette unterbrechen den Horizont.

Das Leben hier ist jedoch nicht immer so reibungslos verlaufen. Während des 20. Jahrhunderts hat die Stadt abwechselnd Konjunkturperioden, Pleitephasen und Bombenangriffe erlebt. Sie wurde während des Sechstagekrieges zwischen Ägypten und Israel 1967 stark beschädigt und später als eine Freihandelszone wiedergeboren. Die in ihrem Charakter stets weltoffene Stadt war auch Schauplatz interreligiöser Zusammenarbeit. Und während der vergangenen paar Jahrzehnte ist sie zu einer bedeutsamen Stätte im christlichen Leben Ägyptens geworden.

Nur wenige Menschen kennen das mancherlei Wechselfällen unterworfene Geschick der Stadt besser als Amba Tadros, der koptisch-orthodoxe Bischof von Port Said. Bei seiner Amtseinführung im November 1976 wurde er mit der Errichtung einer orthodoxen kirchlichen Jurisdiktion für eine Stadt betraut, in der es eine solche nie gegeben hatte. Port Said entbehrte auch des Großteils seiner Bevölkerung, denn bei Kriegsbeginn 1967 war die Stadt angesichts eines massiven israelischen Luftbombardements evakuiert worden. Bald danach verlor Ägypten die Kontrolle über die strategisch wichtige Sinai-Halbinsel, die östlich der Stadt beginnt.

Für die Ägypter war dies eine der dunkelsten Phasen in der neueren Geschichte des Landes, und inmitten von alledem baute Amba Tadros die Ortskirche aus dem Nichts auf.

„Viele Häuser und Gebäude waren durch Bomben zerstört worden, und die Menschen lebten in Behelfsunterkünften oder auf den Straßen“, sagt der Bischof, der heute ein betagter Mann ist. „Strom und fließendes Wasser waren kaum den ganzen Tag über zu haben.“

Im Laufe der 1970er Jahre begannen die Menschen allmählich wieder in ihre Heimat zurückzukehren, doch waren große Teile der Stadt im Krieg zerstört worden.

Für Männer wie Amba Tadros war dies eine herausfordernde Zeit. Manche hätten es als eine erdrückende Aufgabe empfunden, den vertriebenen Einwohnern der Stadt materielle und geist-liche Hilfe zu leisten. Allerdings sagen örtliche koptische Führungspersönlichkeiten, dass etwas Unerwartetes aus der Asche erwuchs: erneuerte Freundschaften zwischen Menschen aus allen Glaubensrichtungen, die Vorboten einer die ganze Stadt umfassenden Erneuerung waren.

Zweimal im Monat unternimmt Laurice Tadros (keine Verwandte des Bischofs) die dreistündige Reise von Kairo, um die Göttliche Liturgie in der Kathedrale Regina Mundi in Port Said mitzufeiern. Das würdevolle Bauwerk in ita-lienischem Stil stellt ein Stein und Glas gewordenes Zeugnis für die gedeihliche Zusammenar-beit dar, die hier nach dem Krieg entstand.



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