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In den Fußstapfen des heiligen Apostels Thomas

Von Sean Sprague

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Der heilige Thomas landete genau an dieser Stelle, sagt Philomena Pappachan, die Küste- rin einer Kapelle, die den Ort markiert, wo der Apostel im Jahre 52 n. Chr. in Südindien an-kam. Die Kapelle, die ein paar Meter vom befestigten Ufer des Flusses Periyar entfernt liegt, wirkt neben einem Palmenhain und einer neun Meter hohen Statue des Heiligen, der mit einem Stab und einem offenen Buch, auf dem „Mein Herr und mein Gott“ in englischer Sprache gedruckt ist, eher klein.

Es gibt kein archäologisches Beweismaterial, das ihre Behauptung bestätigen oder widerlegen könnte. Dennoch haben seit fast zwei Jahr- tausenden zahllose Christen und Hindus ge-glaubt, dass „der heilige Mann“ durch Syrien, Mesopotamien, Persien und schließlich durch Indien reiste, wo er im Jahre 72 n. Chr. den Märtyrertod fand.

Sich auf die mündliche Überlieferung stützend, schreiben die Kirchenväter – insbesondere Cle-mens von Alexandrien, Ephräm der Syrer, Gregor von Nazianz, Ambrosius von Mailand, Hierony-mus und Gregor von Tours – alle über seine Reisen, Taten und seinen Glauben.

In Werken wie dem „Ramban-Lied“, einem anti-ken lyrischen Gedicht, gedenken Inder der Wunder des heiligen Thomas und der Orte, an denen er predigte, taufte und sieben Kirchen gründete. Heute stellen diese Heiligtümer wichtige Wallfahrtsstätten für die geistlichen Erben des Apostels Thomas dar.

Der Bundesstaat Kerala ist ein schmaler Land-streifen an der Südwestküste Indiens. Die Geographie des in der Regionalsprache als „Land der Kokospalmen“ bekannten Kerala ist sehr mannigfaltig. Sein mit Flüssen, Seen und Lagunen vernetztes Feuchtland geht schließlich in Täler und Hügel über. Anhöhen erheben sich im Osten und bilden die Hänge der Westghats, einer Gebirgskette, die sich von Nord nach Süd über fast 1600 Kilometer erstreckt.

In Hindulegenden findet sich die Behaup- tung, dass Kerala aus den Wassern des Arabi-schen Meeres als eine Gabe Gottes an die Oberfläche gekommen sei. Kerala ist ein Paradies für Naturliebhaber; auf seinem Boden wachsen einige der meistbegehrten Gewürze und Ereugnisse der Pflanzenwelt: Kardamom, Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Muskatnuss, Pfeffer, Reis und Tee. Zur Tierwelt gehören Elefanten, Tiger, Leoparden, Affen, Reptilien und exotische Fischarten. Und aus dem reichen Vorrat der Region an Elfenbein, Edelsteinen und seltenen Holzarten haben Kunsthandwerker seit Jahrhunderten Luxusgegenstände und Schmuck geschaffen, der seit Jahrhunderten die Häupter und Roben von Königen und Königinnen zieren.

Perser, Juden, Ägypter, Griechen, Römer, Phöni-zier, Araber, Byzantiner und Armenier – allesamt Händler – jagten diesen Reichtümern nach. Einige durchquerten Mesopotamien und segelten vom Persischen Golf aus nach Kerala. Andere stachen im Roten Meer in See und machten sich die Mon-sunwinde zunutze, die sie zur „Gewürzküste“, als die Kerala in der antiken Welt bekannt war, brachten.



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