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Die Äthiopische Orthodoxe Tewahedo-Kirche

Von Michael J.L. La Civita

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Äthiopien (der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet: „Land derverbrannten Gesichter“) besitzt eineder ältesten Kulturen der Welt. Obwohl siedas turbulente 20. Jahrhundert unbeschadetüberlebt hat, ist diese uralte jüdisch-christlicheKultur durch die eindringenden Kräfte derModerne, insbesondere die Globalisierung und Säkularisierung, geschwächt in das neue Jahrtausend eingetreten.

Etwa 43 Prozent der 78 Millionen Einwohner des Landes gehören der Äthiopischen Orthodoxen Kirche an, einer bestimmenden Kraft, die seit mehr als 16 Jahrhunderten das äthiopische Volk prägt und seine Kulturdefiniert. Allerdings verliert diese Kirche aufgrund von Proselytenmacherei unter ihren Mitgliedern seitens evangelikaler Christen aus dem Westen, deren Anhängerzahl sich in weniger als 15 Jahrenverdoppelt hat, und durch wachsende sunnitische muslimische Bevölkerungsgruppen im Süden und Südwesten des Landes, die heute mehr alsein Drittel der Bevölkerung Äthiopiens ausmachen, an Boden.

Christliche Ursprünge. Tausend Jahre vor Christus überquerten semitische Volksstämme aus der Arabischen Halbinsel das Rote Meer, siedelten sich am Horn von Afrika (in den heutigen Staaten Djibouti, Eritrea, Äthiopien und Somalia) an und gingen Mischehen mit den Einheimischen ein.

Ausgehend von der Stadt Aksum, entwickelte und entfaltete sich eine Kultur, die sich (in ihrer Blütezeit um das Jahr 500 n. Chr.) über ein Territorium von der südlichen Arabischen Halbinsel bis hin zur Nilquelle erstreckte. Das frühe Aksum hat nur wenige Spuren hinterlassen, doch gehen man-che Historiker davon aus, dass dieses Reich jahrhundertelang auch die Handelsrouten zwischen Afrika und Asien kontrollierte.

Der Charakter Aksums wandelte sich im frühen 4. Jahrhundert, als sein Kaiser Ezana das Christentum zur offiziellen Staatsreligion erklärte. Unter dem Einfluss seines Hauslehrers Frumentius hatte Ezana den christlichen Glauben angenommen und später seinen einstigen Privatlehrer zum ersten Bischof von Aksum eingesetzt. Von Athanasius, dem später heilig gesprochenen Patriarchen der ägyptischen Stadt Alexandria, zum Bischof geweiht, knüpfte Frumentius ein Tochterverhältnis der äthiopischen zur ägyptischen Kirche an, das über viele Jahrhunderte hin Bestand hatte. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts regierte ein koptischer (das Wort ist vom griechischen Wort für „ägyptisch“ abgeleitet) Metropolit die äthiopische Kirche.

Ezana wird es auch zugeschrieben, dass das äthiopische Christentum sein wichtigstes Symbol, die Bundeslade, erwerben konnte. Einer alten äthiopischen Überlieferung zufolge bewachten die Juden von Aksum die Bundeslade in einem Inselversteck. Sie war von Menelik, dem Sohn von Salomo und der Königin von Saba, einer Persönlichkeit, die sowohl Äthiopier als auch Eritreer für sich reklamieren, von Jerusalem nach Aksum getragen worden.



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Tags: Ethiopia Church history Ethiopian Orthodox Church Ethiopian Christianity