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Stadtjugend im Libanon

Den gegenwärtigen Stand verändern

Von Spencer Osberg

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Hier zu leben und zu arbeiten heißt nicht zu arbeiten“, sagt Walid Khoury, ein 20–jähriger Student in Beirut (Libanon). „Auch in einer Million Jahren wird sich das Leben im Libanon zwar nicht bessern, aber ich wäre sehr froh, wenn es sich doch besserte. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch.“

Mit seinem Pessimismus steht Herr Khoury keineswegs alleine da. Zahllose libanesische Ju– gendliche bringen ähnliche Ansichten zum Ausdruck; viele andere möchten auswandern oder ha– ben dies in den vergangenen Jahren bereits getan.

Christine Labban, eine 19–jährige Gymnasiastin, sagt, sie beabsichtige nach ihrem Studienabschluss nach New York zu ziehen, um dort eine Laufbahn als Modefotografin einzuschlagen.

„Hier ist die Lage nicht stabil, und das macht die Leute ängstlich“, sagt sie. „Draußen ist es in finan– zieller wie in politischer Hinsicht viel sicherer.“

Fräulein Labban führt auch die Ungerechtigkeit an, der Frauen auf dem Arbeitsmarkt im Libanon ausgesetzt sind. Sie sagt, dass Arbeitgeber davon ausgingen, dass ein Mann eine Familie ernähre und ein besseres Gehalt als eine Frau mit gleicher Qualifikation verdiene.

„Arbeitgeber denken, dass eine Frau nicht bezahlt zu werden brauche, weil ihre Arbeit für sie ja doch nur ein Hobby sei“, sagt sie. „Das ist nicht richtig. Das ist sexistisch.“

Die Jugendlichen, die im Libanon bleiben und eine Hochschule besuchen, visieren eine Hochschule für Aufbaustudien oder eine Laufbahn im Ausland nach dem Studienabschluss an.

Ali Shamas, 21, studiert an der Libanesischen Universität Biochemie. Ebenso wie viele seiner Kommilitonen hat er vor, sich an einer Graduiertenfakultät in Europa zu bewerben. Auf die Frage, ob er für sich selbst eine Zukunft im Libanon sehe, antwortete der junge Mann sehr schnell: „Ganz sicher nicht.“

Er legt dar, dass er auf dem Feld der Proteinforschung, auf das er sich spezialisiert habe, im Libanon nicht sehr weit vorankommen könne.

„Uns wird hier zwar die Theorie beigebracht, aber die wirkliche Arbeit geschieht an den Maschinen, und die haben wir hier nicht. Es besteht überhaupt keine Möglichkeit, dass ich im Libanon arbeiten könnte.“

„Ich habe viele Beispiele von Leuten gesehen, die in ihrem akademischen Bereich sehr weite Fortschritte gemacht haben und heute keine der Kenntnisse, die ihnen vermittelt wurden, mehr einsetzen können. Hier erlangt man zwar Kenntnisse für die Forschung und zur Selbstentwicklung, aber man kann sie nicht anwenden. Der Libanon tötet jeden Ehrgeiz“, fährt er fort.

Der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten im Libanon erstreckt sich jedoch weit über den Bereich der Naturwissenschaft oder der Modefotografie hinaus. Gegenwärtig liegt die Arbeitslosenrate bei rund 10 Prozent. Die Auswanderungsrate ist hoch; zwischen 1990 und 2000 verließen über 250.000 Menschen aus beruflichen Gründen den Libanon. Auswanderer stellen auch eine wichtige Einkommensquelle dar; Auslandsüberweisungen liegen jedes Jahr bei insgesamt über 4,3 Milliarden Euro und machen damit ein Fünftel der volkswirt schaftlichen Wertschöpfung im Libanon aus.



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Tags: Lebanon Children Education Employment Civil War