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Für die Haschemiten – und alle Jordanier – ist die Wiederentdeckung und Entwicklung von Bethanien jenseits des Jordan ein Beispiel für das langjährige Engagement des Landes für den Frieden und für interreligiöse Koexistenz, aber auch eine möglicherweise lukrative ökonomische Chance, die Zusammenarbeit zu stärken. Wenn christliche Pilger die Taufstelle besuchen, erleben sie ein muslimisches Land, das sich dem Frieden und Werten verpflichtet weiß und Gläubige aller Religionen respektiert. Pilgerstätten wie Bethanien ziehen gewöhnliche, fromme Gläubige an, die sowohl geistlich erneuert als auch hoffentlich besser informiert über ihre muslimischen Gastgeber und ihnen gegenüber toleranter eingestellt von dort zurückkehren.

„Ich glaube nicht, dass die meisten Leute am interreligiösen Dialog auf der Ebene der Theologen interessiert sind“, legt Vater Haddad dar. „Sie sind vielmehr daran interessiert, ihren Glauben Tag für Tag immer besser zu praktizieren.“

Obwohl sie bereits 2002 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist die Parkanlage, in der Bethanien jenseits des Jordan liegt, noch im Bau. Die Taufstellenkommission beobachtet alle neuen Entwicklungen auf dem Parkgelände und in seiner Umgebung, um zu gewährleisten, dass seine natürliche Umwelt und seine Würde gewahrt bleiben. Laut Rustom Mkhjian, dem stellvertretenden Direktor der Kommission, besteht das Endziel darin, das Gelände als Ort für die spirituelle Kontemplation zu restaurieren.

„Wir konzentrieren uns zuallererst auf ein Anliegen, nämlich die Wüste Johannes des Täufers nicht zu zerstören und die Taufstelle so zu präsentieren, wie Johannes und Jesus sie sahen“, ergänzt Herr Mkhjian. „Viele religiöse und biblische Stätten sind in Touristenziele umgewandelt worden; gerade das wollen wir nicht.“

Im Sinne ihres Engagements zur Restauration und Erhaltung der Taufstelle verlangt die Kommission, dass alle modernen Gebäude mindestens 200 Meter von den Ruinen der alten Kirchen entfernt stehen müssen. Zuletzt hat die Kommission ein benachbartes Grundstück erworben, auf dem sie mit örtlichen Entwicklern beim Bau eines Pilgerdorfes zusammenarbeiten möchte. Geplant sind eine Handvoll einfacher Hotels, im Gegensatz zu luxuriösen Unterkünften wie jenen am nahegelegenen Toten Meer.

Die erste Kirche neuerer Zeit im Park wurde vom griechisch–orthodoxen Patriarchat Jerusalem, der führenden Kirchengemeinschaft des Heiligen Landes, erbaut. Gegenwärtig sind drei weitere Kirchen im Bau, darunter eine 11 Millionen Euro teure römisch–katholische Kirche, die der Papst 2009 während seines Besuches im Heiligen Land segnete. In den kommenden Jahren rechnet die Kommission mit der Fertigstellung von elf Kirchen. Nahezu fertig sind ein russisch–orthodoxes Pilgerhaus und ein griechisch–orthodoxes Kloster. Und im unlängst fertig gestellten Konferenzzentrum des Parks hat als erste Veranstaltung bereits eine Diskussion am runden Tisch zwischen christlichen und muslimischen Theologen stattgefunden, die vom Aal al–Bayt Institute und der Eugen–Biser–Stiftung organisiert worden war.



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